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Zwei theoretische Texte von Klaus Stattmann zu seiner Malerei — jeder lässt sich aufklappen und ganz lesen.
Texte
Text 001
Malerei im Zeitalter des Saldozäns
Text 002
Die Bürokratie als Landschaft
Wir sind in das Zeitalter der Nachverrechnung eingetreten. Unsere Gegenwart ist kein Moment mehr, sondern eine offene Rechnung. Nicht mehr Fortschritt, nicht mehr Zukunft, nicht mehr Utopie — sondern Saldo. Was sich heute zeigt, ist kein Bündel einzelner Krisen, sondern eine Sammelrechnung: Klima, Ressourcen, soziale Spaltung, geopolitische Verschiebungen, digitale Entmündigung — alles gleichzeitig fällig. Unsere Systeme wurden auf Wachstum gebaut, nicht auf Verantwortung. Und jetzt, laufen sie im Mahnverfahren. Der Zahlschein steht dafür nicht als Metapher, sondern als Struktur. Er erklärt nichts. Er fordert. Meine Bilder sind keine Darstellungen, sondern Abbuchungen. Sie entstehen dort, wo sich Geschichte, Schuld, Verwaltung und Alltag überlagern. Das Formular ist für mich dabei die präziseste zeitgenössische Bildform: Raster, Felder, Hierarchien, Leerstellen — und ich irre in ihnen herum. Die Malerei von früher erzählte zum Beispiel von Landschaften oder Gesichtern. Heute erzählt - ja klagt sie von Fristen, Beträgen und kaum mehr zu ertragenden Zuständen. In meinen Arbeiten erprobe ich das Leben nicht mehr als Erzählung, sondern als Rest: Spuren, Fehler, Verschiebungen, kleine Akte des Widerstands innerhalb vorgegebener Systeme. Hatte die Vergangenheit Handlungsspielräume, so bekommt die Gegenwart nur mehr Zahlungsfristen eingeräumt. Ich male, um diesen Zustand sichtbar zu machen — nicht anklagend, nicht erklärend. Mehr als Befund. Ich male Bescheide, Formulare und Zahlscheine, weil sie für mich die Landschaft unserer Zeit sind. Ich male, um dieser offenen Rechnung einen Körper zu geben.
Text: Klaus Stattmann, 2026
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